Tee & Traditionen

Die Englische Teekultur – Alltagsritual mit Tradition und Stil 

Seinen „early morning tea“ trinkt der Engländer vor (!) dem Aufstehen. Weil sich heute die wenigsten einen Butler leisten können, verrichtet der automatische Teekocher einen Teil des Jobs. An der Erfindung eines künstlichen Butlers, der den Tee auch ans Bett serviert, wird noch gearbeitet…

Vor der Einführung von chinesischem Tee in England – 1644 orderte die Britisch-Ostindische Kompanie „hundert Pfund Tee von der besten Sorte“ -, waren die Engländer passionierte Kaffeetrinker. Warum der Tee eingeschlagen hat wie eine Bombe, ist bis heute nicht restlos geklärt. Mit Sicherheit hat Katharina von Braganza, Gemahlin Charles II., ihren Teil zur Einführung der Teekultur beigetragen, als sie 1661 aus ihrer längst dem Tee verfallenen Heimat Portugal an den englischen Hof kam. Die englische Begeisterung für Tee könnte aber auch effizienten Werbestrategen zu verdanken sein: 1658 verkündetet der „Mercurius Politikus“, ein bisher unbekanntes Getränk aus China, „Tcha“ – von anderen Nationen „Tay“ oder „Tee“ genannt – habe den Beifall der Ärzte gefunden und werde im „Sultans Head“, einem Kaffeehaus nahe der Royal Exchange, ausgeschenkt.

 

Lieber Tee als Biersuppe 

Fest steht, dass die britische Teekultur bereits im 17. Jahrhundert entstanden ist und von Queen Anne (1665-1714) gefördert wurde, der liebe Tee als Biersuppe zum Frühstück trank. Um 1700 wurde in etwa 500 englischen Kaffeehäusern auch Tee ausgeschenkt. Nach 1750 eröffneten die ersten Teegärten, wo der Tee im Freien getrunken wurde und zu denen erstmals auch Frauen Zutritt hatten (!). Orchester spielten zum Tanz auf und das Teetrinken wurde zum Ritual des Tanz-Tees. Allerdings war Tee nicht zuletzt wegen seiner hohen Besteuerung, die die empörte Bierlobby durchgesetzt hatte, ausschließlich für die Oberschicht erschwinglich und als galt Statussymbol. Das Handelsmonopol für die Importe aus China besaß die East India Company.

 

Zu viele Teepausen

Erst als 1783 die hohen Teesteuern gesenkt wurden, konnten sich die Kaffee trinkende Mittelschicht, und etwas später die Arbeiter, ihren Tee leisten.

Aufgrund des Übermaßes an Teepausen, die den ganzen Tag über zelebriert wurden, propagierten englische Politiker im 19. Jahrhundert den Tee sogar als „gesundheitsgefährdend“. Dem „early morning tea“ folgt nämlich der „elevenses“, das heißt die Teepause um elf Uhr am Vormittag. Der „afternoon tea“ oder „5 oclock tea“ kann nahtlos in den „high tea“ übergehen – die Teezeit mit Abendessen, bei der sich die Familie nach Arbeit und Schule am Tisch versammelt.

 

Weltmeister im Teetrinken

Auch wenn in Zeiten der Globalisierung und Schnelllebigkeit die Teezeremonie etwas gelitten hat, zählen die Engländer auch heute zu den Weltmeistern im Teetrinken. Das Vereinigte Königreich liegt derzeit mit einem jährlichen Konsum von rund 3,5 Kilogramm Tee pro Kopf hinter China und Irland auf Platz drei. Wo England durch den Verkauf von Tee aus den indischen Kolonien im 18. Jahrhundert Zentrum des europäischen Teehandels wurde, kommt der Tee nun hauptsächlich aus Afrika. Nur noch ein Drittel stammt aus Indien.

Auch die Vorliebe für bestimmte Teesorten unterliegt dem Wandel der Zeit. Wo früher der Duft zarter, blumiger Tees durch die Salons zog, werden heute kräftige, herbe Sorten wie Assam oder Ceylon bevorzugt. Seit dem viktorianischen Zeitalter ein Dauerbrenner, ist der mit den Schalen der Bergamott-Frucht aromatisierte Earl Grey.

Die goldenen Regeln der englischen Teezubereitung:

1) Wasser im Wasserkessel kochen.

2) Währenddessen die Teekanne zum Vorwärmen heiß ausspülen. Dadurch kann der Tee sein Aroma entfalten.

3) Einen Teelöffel lose Teeblätter pro Tasse „…and one for the pot“. Man kann die Teeblätter auch in einem Stofffilter oder Papierfilter in die Kanne hängen.

4) Das Wasser sprudelnd kochen lassen, aber erst ein paar Sekunden später über die Blätter gießen.

5) Den Tee nach gewünschter Stärke drei bis fünf Minuten ziehen lassen, absieben und wieder zurück in die Kanne gießen, bzw. den Filter gut ausdrücken und aus          der Kanne heben.

Die allzu große Hitze eines Stöfchens mit Teelicht zum Warmhalten des Tees verändert das feine Tee-Aroma. Besser – und stilvoller – hält man die Teekanne mit einer Teehaube im englischen Design warm.

 

Tee vor Milch, oder Milch vor Tee?

In vielen englischen Haushalten lässt man die Teeblätter in der Kanne. Der Tee wird immer stärker und bitterer, kann aber mehrmals mit heißem Wasser aufgegossen werden.

Außerdem trinken die Briten ihren Tee traditionellerweise mit Milch, wodurch er milder wird.

Darüber, ob zuerst der Tee eingegossen wird oder zuerst die Milch, wird seit jeher diskutiert. Es gibt zwei Lager: die Milk-in-first (Mif) -Anhänger und die Tea-in-first (Tif)-Anhänger. Erstere erzielen durch das langsame Zugießen des Tees hübsche optische Effekte und schonen das feine Porzellan. Queen Elizabeth II. soll allerdings eine Tif-Anhängerin sein.

 

Die „Tee-Etikette“

Trotz, oder vor allem in Krisenzeiten wird das Teetrinken ausgiebig zelebriert. Der „afternoon tea“ oder „5 oclock tea“ um 16.00 Uhr oder 17.00 Uhr wird auf einem polierten Silbertablett serviert. Teekanne, Milchkanne und Zuckerdöschen sind ebenfalls aus Silber oder aus feinstem Porzellan. Die Teetassen aus Porzellan oder Glas passen zum Set. Zum „afternoon tea“ reicht man Gebäck und dreieckig geschnittene Sandwiches, Scones, Biscuits und feine Pasteten.

Mit der in gehobenen Kreisen von Generation zu Generation gepflegten“ Tee-Etikette“ hätte Bree Van De Kamp ihre Freude:

– Die Gäste schenken sich nicht selbst ein.

– Klirrende Geräusche beim Umrühren des Tees sind ein „No No“.

– Der Henkel der Teetasse wird ausschließlich mit Daumen und Zeigefinger gehalten und die Tasse mit der Untertasse bis etwa in Kinnhöhe angehoben. Sinn und   Zweck der Übung ist es, die Tasse beim Trinken nur minimal von der Untertasse weg zu bewegen.

– Man schlürft den Tee nicht, sondern trinkt ihn in kleinen Schlucken.

– Die dazu gereichten Scones werden nicht halbiert, sondern gebrochen.

– Rauchen ist während des Tees nicht gestattet, da das Aroma des Tees beeinträchtigt wird.

In Österreich sind die zum englischen Tee gereichten Köstlichkeiten längst Tradition und aus unserem Wortschatz nicht mehr wegzudenken: Teebäckerei, Teewürstel, Teebutter…

 

Das Ritual des „5 oclock tea“

Das Ritual des „5 oclock tea“ oder „Afternoon tea“ dauert mindestens eine Stunde lang. Dazu reicht man salzige und süße Köstlichkeiten. Kleine, dreieckige Gurken-, Lachs- und Schinken-Sandwiches werden von Scones gefolgt: wenig gesüßte weiche Brötchen mit „Clotted cream“, oder Schlagobers, und Marmelade. Als „Tea bread“ oder „Tea cake“ bezeichnet man in Großbritannien alle Hefegebäcke, einschließlich unterschiedlich gewürzter Brote, die Hand in Hand mit dem Teegenuss gehen.

Kleineres Teegebäck wie Biscuits, Makronen oder das traditionell in Schottland beheimatete Shortbread, sowie kleine Süßigkeiten wie kandierte Früchte und Pralinen vervollständigen den „Afternoon tea“.

Tea bread wird in verschiedene Kategorien eingeteilt: „Currant bread“ ist ein Oberbegriff für Früchtebrote. „Spice bread“ steht für Brot, das Früchte und Gewürze enthält. „Fat rascals“ sind kleine Teekuchen aus Yorkshire, die mit Gewürzen und Rosinen versehen, warm mit Butter gegessen werden. „Fruit bread“ nennt man Gebäck mit Trockenfrüchten. „Malt bread“ ist ein weiches Malzbrot mit Rosinen, das ebenfalls mit Butter genossen wird.

Scones sind weiche, runde, süß-salzige Brötchen, die im Rohr hell gebacken werden. „Scone“ kommt vom Niederländischen „Schoonbrot“ oder „Schönbrot“ – ein Brot aus feinem Mehl – und wurde zuerst in das Scots entlehnt und im 19. Jahrhundert in die englische Sprache integriert. Das ursprünglich flache Gebäck wird aus  Weizen-, Gersten- oder Hafermehl und Backpulver oder Germ als Triebmittel hergestellt und im Ofen gebacken. Früher wurden Scones in einer Pfanne, ähnlich wie Pfannkuchen zubereitet.

In Irland und Schottland finden sich auch „Potatoe scones“ aus Kartoffelbrei, Milch und Mehl. In amerikanischen Scones finden sich oft Nüsse oder Preiselbeeren.

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