Haeinsa, einer der bedeutendsten Tempel Südkoreas, liegt still an den Hängen des Gayasan und strahlt seit Jahrhunderten eine besondere Würde aus. Als Haupttempel des Jogye-Ordens und als einer der drei Tempel der drei Juwelen verkörpert er das Dharma, die buddhistische Lehre. Noch heute ist Haeinsa ein lebendiges Seon-Kloster, ein Ort der Meditation, der Sammlung und der geistigen Übung. Hier wirkte auch der verehrte Meister Seongcheol, dessen asketisches Leben und klare Weisheit ihn in Korea nahezu legendär machten.

            

 

 

Seine größte Kostbarkeit birgt Haeinsa in den ehrwürdigen Hallen des Janggyeong Panjeon: die Tripitaka Koreana, eine der vollständigsten Sammlungen buddhistischer Schriften der Welt. Auf 81.258 kunstvoll gefertigten Holzplatten bewahrt sie seit dem Jahr 1398 das Wissen und den Glauben vergangener Zeiten. Diese einzigartige Schatzkammer des Geistes machte den Tempel 1995 auch zum UNESCO-Weltkulturerbe.

Gegründet wurde Haeinsa im Jahr 802, umrankt von der Legende zweier Mönche, die eine schwer erkrankte Königin heilten und dadurch den Bau des Tempels bewirkten. Im Laufe der Jahrhunderte wurde die Anlage mehrfach erneuert, nach Bränden wieder aufgebaut und mit großer Hingabe bewahrt. So steht Haeinsa bis heute als ein Ort des Friedens, der Weisheit und der stillen Beständigkeit – ein Tempel, in dem Geschichte, Glaube und die Schönheit der Vergänglichkeit miteinander verschmelzen.

   

Auch hier begegnet uns wieder die Zahl 108 – diesmal als 108 Stufen hinauf zum Tempel. Schon zuvor war sie uns begegnet, in den 108 Verbeugungen. Im Buddhismus steht sie für die menschlichen Verblendungen, Begierden und Leidenschaften, die Leid hervorbringen. Jede Stufe erinnert daran, sie zu erkennen – und Schritt für Schritt zu überwinden.

Nach diesem Tempel-Besuch verbirngen wir den größten teil des Nachmittags im Auto auf dem Weg zurück nach Seoul, über 400km. Alle sind mit sich selbst beschäftigt, Abwechslung bieten die phantastischen Raststätten, in denen wir verschiedene Getränke und Speisen ausprobieren, die wir bislang noch nicht kannten.

Abends dann das finale “Dinner” unserer Reise – fast schon ein Einstieg in die Rückreise: kein rein koreanisches Essen, sondern Hühnchen in verschiedenen Ausprägungen, Pommes, Bier und mehr. Der wirkliche Abschluss hat dann aber tatsächlich im Keller des Hauses nebenan statt gefunden: die meisten haben sich noch auf eine Karaoke-Session eingelassen. Grandiose Stimmen, die leider meist nicht zu den Liedern passten, aber vielleicht bin ich hier etwas zu kritisch. In jedem Falle hat es verdammt viel Spass gemacht.

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