Ein Tee-Porzellan-Baum? (Copyright: Tanja)

Gestern Abend haben wir den Sonnenuntergang über Seoul genossen – ein warmes, Schauspiel über einer Stadt, die niemals ganz zur Ruhe kommt. Rund zehn Millionen Menschen leben hier, im Großraum sogar etwa 25 Millionen – beinahe die Hälfte der Bevölkerung des Landes (!). Heute jedoch lassen wir die Metropole schon wieder hinter uns und brechen in Richtung Süden auf.

                          

Unsere heutige Etappe und Doris ….                                         … erläutert Details zum Tag.

 Unsere erste Etappe führt uns nach Mungyeong, eine Stadt in Nord-Gyeongsang, die für ihre lange Tradition in der Keramikherstellung bekannt ist. Hier scheint alles zusammenzukommen: hochwertiger Ton, klares Wasser aus den Tälern und reichlich Brennholz aus den umliegenden Wäldern – beste Voraussetzungen für ein Handwerk, das hier seit Generationen gepflegt wird. Ziele unseres Besuchs sind unter anderem das Korea Dawan Museum sowie den Yeongnam-Kiln, die beide einen Einblick in diese traditionsreiche Kunst geben.

                                                            Der 5teilige Brennofen, der 5-6x jährlich für mehrere Tage genutzt wird – heute können wir einen davon von innen besichtigen.      Zu Gast bei Yeongnam-Kiln

Dessen Geschichte reicht bis ins frühe 18. Jahrhundert zurück, als Kim Chwijung in der Zeit der Joseon-Dynastie den ersten Ofen entzündete. Seitdem ist das Feuer nie erloschen. Während andernorts mit den königlichen Brennöfen auch das Wissen verschwand, wurde es hier bewahrt – weitergegeben von Generation zu Generation, geformt aus Erde, Zeit und Hingabe.

1996 findet diese Kontinuität eine besondere Anerkennung: Baeksan Kim Jeong-ok, Vertreter der siebten Generation, wird vom Parlament zum Träger des nationalen immateriellen Kulturerbes ernannt. Eine Auszeichnung, die nicht nur sein Können ehrt, sondern die lebendige Tradition selbst. Dieser Kiln ist damit mehr als ein Ort – er ist ein Vermächtnis. Über 300 Jahre Geschichte, gebrannt in Ton.

Baeksan Kim Jeong-ok mit einem klassischen Tee-Geschirr

Zur Mittagszeit erwartet uns erneut eine kulinarische Entdeckung: Wir tauchen tiefer in die koreanische Küche ein und grillen gemeinsam Schweinebauch. Ganz traditionell ziehen wir die Schuhe aus, sitzen nah beieinander und genießen das Essen in entspannter Runde – ein intensives Erlebnis.

 

 

 

 

 

 

 

 

Am Nachmittag verlagert sich unser Fokus auf die eigene Handarbeit. Wir lernen die Herstellung von Hanji kennen, dem traditionellen koreanischen Papier. Es wird aus der inneren Rinde des Papiermaulbeerbaums gefertigt, der an den felsigen Hängen des Landes wächst. In einem aufwendigen Verfahren entstehen Schicht für Schicht feine, widerstandsfähige Bögen. Durch eine besondere Technik, bei der die Fasern in verschiedene Richtungen verteilt werden, erhält das Papier seine Stabilität. Anschließend wird es geklopft, um die Fasern zu verdichten und eine glatte, langlebige Oberfläche zu schaffen – ein Prozess, der Geduld und Sorgfalt verlangt.

 

Ines schöpft Papier – Angelika gestaltet und alle werden Kunstwerke

Mungyeong ist zudem bekannt für eine Frucht, die uns bisher kaum begegnet ist: die Omija-Beere. Ihr Name verweist auf die „fünf Geschmäcker“, die sie vereint. Hier wird sie vielseitig verarbeitet – als Wein, der leicht säuerlich und doch angenehm zu trinken ist, als süße Limonade oder als warmes Aufguss-Getränk (manche sagen Tee dazu). Gerade dieser, den wir am Abend kosten, überrascht mit einer feinen Balance der Aromen und rundet den Tag auf besondere Weise ab.

Wir testen die Vielfältigkeit der Omija-Beere in einem alten Eisenbahn-Tunnel im Omija Theme Park!

Und morgen geht es weiter in den Süden – wir nähern uns dem Tee und damit dem Hauptthema unserer kleinen Reise. Stay tuned.

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