Die zweite Etappe führt uns von Mungyeong weit hinunter nach Boseong – dorthin, wo sich endlich die ersten Teefelder öffnen. Über viele Kilometer heißt es zunächst: sitzen, schauen, fahren lassen. Doch ganz so ruhig bleibt es nicht.

                                      

Teeparty im Bus – da war der Pitcher noch ganz (Copyright Hannes Kierner)

Was könnte man auf einer Teereise Besseres tun, als unterwegs Tee zu trinken? Also holen wir Gaiwane und Tassen hervor, bewaffnet mit heißem Wasser vom Frühstück, und beginnen mitten auf der Autobahn mit einer improvisierten Teesession. Dan Cong, ein dunkler Oolong, füllt den Bus mit Duft – doch die Straßen sind rau, der Bus in Bewegung. Was folgt, ist eine leicht chaotische Choreografie: überbrühte Finger, verirrte Aufgüsse, ein umgekippter Pitcher, der Großteil des Tees findet aber seine Abnehmer im ganzen Bus. Perfekt war das nicht – aber lebendig, und unvergesslich.

                                     

                       Mittagszeit: Schuhe aus und schlemmen! – highlight: Nokcha-Wanja

Zur Mittagszeit erreichen wir ein kleines Restaurant in Boseong. Wie stets in diesem Land gibt es viele kleine Schalen, gemeinsames Probieren, eine unvergleichliche Vielfalt an Aromen – einfach, vielfältig, überraschend. Es gab heute Boseong Nok-don (Grüntee-Schwein): hier ist es üblich, Schweine mit Grünteeblättern zu füttern. Das Fleisch dieser Tiere gilt als besonders zart und geruchsarm. Fleischleibchen daraus werden oft als Nokcha-Wanja (Grüntee-Fleischleibchen) bezeichnet, in der heutigen Variante wurde auch Grüntee noch dazu gegeben fein gehackt.

       

Am Nachmittag dann endlich Tee in seiner eigentlichen Heimat: die Plantagen von Borim Tea. Die Besitzerin, Seo Hee-jo, führt uns durch die Felder und gewährt Einblicke in ihre Arbeit. Besonders beeindruckend: die Herstellung des Grüntees, der in neun Durchgängen im Wok erhitzt und immer wieder gerollt wird – ein feines Austarieren von Temperatur und Zeit. Bei der Verkostung begegnen wir einem frischen Woojeon-Nokcha (Grüntee-First Flush), erst wenige Tage zuvor händisch geerntet – leicht, blumig, von stiller Eleganz.

Boseong produziert heute fast 40 % des südkoreanischen Grüntees. Erste Erwähnungen als Teeanbaugebiet stammen aus der Joseon-Dynastie (1392–1910). Seit Japanischer Kolonialisierung 1932 aber kommerzieller Anbau. Die einzigartige Geografie der Region – gekennzeichnet durch hohe Luftfeuchtigkeit, Küstennebel und gut durchlässige Böden – macht sie ideal für den Teeanbau. Zur Unterstützung der Teebauern wurde ein Tea Research Institute implementiert, welches Forschung- und Entwicklung zum Teeanbau betreibt, neue Sorten entwickelt und Farmer in Verarbeitungstechniken berät. Aktuell gibt es nur 7 zugelassene Kultivare (größtes Kultivar ist Yabukita). Wir bekommen eine Führung durch das Institut, sehen die Pflanzenzüchtungen und die Test-Teefabrik.

                         

Wir posen mal im Teemuseum – so viel Zeit muss sein

Zum Abschluss streifen wir noch durch das größte Teemuseum des Landes – eher im schnellen Takt als in Ruhe, passt aber vielleicht zur koreanischen „Balibali“-Kultur: alles soll schnell erledigt werden, Essen, Einkaufen, Museen besuchen. Doch draußen bleibt Zeit für einen Moment: sanfte Hügel, endlose Reihen von Teesträuchern, das Meer in der Nähe. Eine Landschaft, die sich still einprägt.

Am Abend setzt Regen ein. Unser Hotel liegt direkt am Strand, doch der wirkt nicht sehr einladend unter den Tropfen. Vielleicht morgen.

Back to list